Dienstag, 1. April 2014

Besuch in Machu Picchu

Um kurz vor 5 Uhr morgens klingelte bereis der Wecker, da wir gleich mit einem der ersten Busse hoch nach Machu Picchu wollten. Ist eigentlich kein Problem, das Hotel (Margarita's House) bietet Früstück ab 5 Uhr und der Portier hatte uns beim Check-In extra nochmal wegen der Uhrzeit für unser Frühstück gefragt. Wir standen dann um 5 Uhr im Eingangsraum, nur war alles dunkel und natürlich kein Frühstück gerichtet. 20 Minuten später standen wir immer noch dumm herum, vom Hotelpersonal weit und breit nichts zu sehen. Um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, sind wir dann ohne Frühstück los (die Eingangstür war offen, der Schlüssel steckte innen). Vorher stellten wir noch eine Tasche mit Gepäck hinter den Tresen, die wir dalassen wollten. Eigentlich wollte ich auch meinen Laptop dalassen, aber bei so schlechten Sicherheitsvorkehrungen  entschloß ich mich ihn doch lieber im Rucksack mitzunehmen.

Am Busterminal mußten wir erst noch Tickets kaufen (19 US-Dollar hin und zurück pro Person), und dann ging es direkt ohne Wartezeit über eine Schotterpiste mit vielen Kehren hinauf zum Eingang. Der Eintritt verlief, wie in Peru üblich, mit Kontrolle des Reisepasses zusammen mit dem Ticket, ansonst aber reibungslos.

Wir gingen zunächst durch den unteren Teil des Ruinenfelds in Richtung Waynapicchu, denn dort gibt es nur2 Mal am Tag Zutritt (um 7 Uhr und um 10 Uhr, jeweils maximal 200 Leute). Wir schafften es am Kontrollpunkt gegen 7:30 Uhr zu sein, denn die Schlange davor war beachtlich, und bei jedem wurde Ticket und Reisepass kontrolliert, und man mußte sich noch in ein Buch eintragen (Name, Nation, Alter, Unterschrift, Uhrzeit). Wenn man direkt vor dem Berg steht, glaubt man kaum dass dort ein Weg hinaufgeht, so steil wirkt das ganze (sind wohl auch bis zu 80% Steigung, was ich später bei einem Tourguide in der Nähe aufschnappte). Da es noch relativ kühl und neblig war, hatte ich T-Shirt, einen dünnen Wollpulli und eine Goretex-Jacke an. Dann ging der Aufstieg los, meist auf Stufen im natürlichen Fels. Die Verschnaufpausen wurden immer häufiger und länger, und nach kurzer Zeit zog ich meine Jacke aus (den Pulli dummerweise nicht). Unterwegs sieht man skurrile Leute, so eine Argentinierin mit ihrem Freund, die die ganze Klettertour mit Slippern machte, oder einen Franzosen, der sein Kind auf einer Trage auf dem Rücken mit hinaufschleppte. Nach etwas über einer Stunde war es geschafft, die Ruinen auf dem Berggipfel waren erreicht. Leider hatte sich Machu Picchu in Nebel gehüllt, so dass man die schöne Aussicht von hier oben nicht genießen konnte. Oben geht dann ein Rundweg durch die Ruinen (einmal muß man durch eine niedrige enge Kluft kriechen) und dann geht es auf dem gleichen Weg wieder zurück nach Machu Picchu.

Am Kontrollposten muß man sich wieder im Buch verewigen (jetzt mit aktueller Uhrzeit des Verlassens), danach wartete ich bei den beiden Wartehäuschen auf Andrea und Jörg. Während ich saß, tauchte Dieter auf, der mit Uwe zusammen ebenfalls Machu Picchu besuchte (Uwe hatte gerade Magenprobleme und lief daher nicht herum). Zusammen mit Dieter streiften wir dann weiter durch die Ruinen, bis wir uns irgendwann aus den Augen verloren (aber heute nachmittag dürften sie ja hier in Cusco wieder auftauchen).Zum Schluß besuchten wir noch die "Inka-Brücke", die ca. 15 Minuten Fußmarsch von Machu Picchu selbst weg liegt. Wobei der Name ein wenig irreführend ist, im Prinzip haben die Inkas nur eine breite Mauer an einer senkrechten Felswand hochgezogen, um dort den Weg entlang eines Felsabsatzes weiterführen zu können.
Gegen 14 Uhr sind wir wieder per Bus zurück nach Aguas Calientes, erst eine Kleinigkeit essen und trinken und dann noch mal ins Hotel, die deponierten Sachen abholen. Dort das gleiche Spiel wie am Morgen: die Tür war offen, die Tasche stand hinter dem Tresen, und weit und breit kein Personal zu sehen. Ein echt "tolles" Hotel!
Um 16:45 Uhr fuhr der Zug mit 30 Minuten Verspätung wieder nach Pachar ab. Diesmal war es gerammelt voll, und der Imbiss bestand aus einem Becher mit Getränk sowie einem Muffin. Wir haben schon gelästert: hinwärts war es Lufthansa Business Class, zurück dann Billigflieger Economy-Class (wobei die Preise für Hin- und Rückfahrt nahezu identisch sind!)

Im Hotel haben wir uns dann noch rasch geduscht, sind eine Kleinigkeit essen gegangen und noch einen Absacker (Pisco Sour, was sonst!) in der Bar Norton's Rats (wo sonst!). Andrea und Jörg fahren morgen zurück nach Arequipa, ich bleibe noch einen Tag hier in Cusco und schaue mir die Stadt an (die beiden waren vor 4 Jahren bereits mehrere Tage lang hier). Nachmittags wollten Dieter und Uwe auch hierher kommen, dan kann ich abends mit den beiden noch ein wenig die Stadt unsicher machen...

Der erste Blick auf Machu Picchu, wenn man die Fläche betritt (im Hintergrund rechts der Waynapicchu):


Der Opferstein auf dem Tempelberg:



Auf dem Weg zum Waynapicchu, im Vordergrund 2 rekonstruierte Häuser als Rastmöglichkeiten:


Oben auf dem Waynapicchu angekommen,hüllt sich Machu Picchu leider ziemlich in Nebelschwaden:


Die EInwohner mußten früher gut schwindelfrei sein, um hier zu leben:


Der Abstieg von ganz oben: nur max. 10cm breite Stufen, abgerundete Kanten und ca. 45% Gefälle, das ganze natürlich ohne jegliche Sicherungen oder Halteseile:


Wunderschöne Blüten mitten in der Natur:


Gesamtblick auf Machu Picchu:

Die Inka-Brücke, eigentlich eher eine Mauer um eine senkrechte Felswand überqueren zu können:


Nochmal ein Panorama-Foto der Ruinen, netterweise hat sich das Alpaca noch in den Vordergrund gelegt:

Montag, 31. März 2014

Zugfahrt von Cusco nach Aguas Calientes

Der Tag begann sehr früh: da um 7:30 Uhr der Bus/Zug in Cusco abfuhr, hatten wir für 6 Uhr bereits das Frühstück eingeplant und für 7 Uhr ein Taxi bestellt. Wir nahmen nur wenige Sachen mit (Kleidung zum Wechseln, Kulturbeutel etc.), den Rest ließen wir (genau wie die Mopeds) im Hotel zurück. Ich nutzte beim Checkout die Gelegenheit und übergab dem Portier eine große Tüte mit Schmutzwäsche. Die wird während meines Ausflugs gewaschen, so dass ich danach wieder mit einem Stapel sauberer Wäösche weiterfahren kann...
In Cusco gibt es ein Busterminal von "Perutrain". Hier steigt man zunächst in den Bus und fährt knapp 2 Stunden lang bis kurz hinter Urubamba (Haltestelle Pachar). Dort wartet dann der Zug für die restliche Strecke bis nach Machu Picchu Pueblo (=Aguas Calientes).
Die Zugfahrt ist absolut toll: man fährt gemütlich mit ca. 10 km/h in Panorama-Waggons, immer entlang des wilden Flusses Urubamba. Dazu entspannende Musik mit Panflöten und zwischendurch ein Imbiß. Aber die Fahrt kostet ja auch ca. 80 US-Dollar, da kann man ein wenig Luxus erwarten.

Der absolute Kontrast dafür dann in Aguas Calientes: die Stadt lebt ausschließlich vom Tourismus und das merkt man! Man kann keinen Meter gehen, ohne nicht mindestens eine Speisekarte vor die Nase gehalten zu bekommen, immer mit "Hola Amigo" oder "Hola chico" als Begrüßung. Ich mußte mich sehr zurückhalten, um diese Leute nicht anzuschnauzen dass ich mir meine Freunde selbst aussuche. Wir sind dann auch extra immer in ein Cafe oder Restaurant, wo keiner dieser aufdringlichen Personen stand. Das nächste Mal fertige ich mir vorher ein T-Shirt an, wo ich dann groß aufdrucken lassen: "No soy tu amigo y no quiero comprar nada"! In Cusco waren die Leute schon sehr schlimm, aber Aguas Calientes war diesbezüglich die absolute Krönung....
Ich versuchte im Ort noch, die Eintrittskarte von Frank auf mich umschreiben zu lassen (die Karten sind, genau wie die Zugtickets, personalisiert und man muß immet Ticket und Reisepaß vorzeigen), hatte aber keine Chance: das Ticket gehört Frank und wenn er krank ist oder sonstwie nicht erscheinen kann, het er eben Pech gehabt. Ich mußte mir dann eben selbst noch ein Ticket kaufen (150 Soles, ca. 40 Eur).
Abends ging ich noch mit Jörg auf einen Pisco Sour in eine nahe Kneipe, vor allem weil es dort im Gegensatz zum Hotel Wifi gab. So erfuhren wir, dass Uwe und Dieter auch am Montag nach Machu Picchu kommen wollten und bereits in der Nähe (in Ollantaytambo) ein Hotel bezogen hatten.


Der Bahnhof von Pachar, hier beginnt die Zugfahrt (21 km):



Einer der Bahnmitarbeiter im Bahnhof:


Andrea und Jörg genießen die Fahrt:


Immer entlang des Urubamba durch wilde Berglandschaften:


Die Omi versuchte, an einem Haltepunkt mit dem Verkauf von Blumen ein wenig Geld zu verdienen, aber die Panoramawägen haben keine Fenster zum öffnen, insofern hatte sie leider schlechte Karten:
 

Ein typisches Bild aus Aquas Calientes: nur Shops und Hotels/Hostals:





Samstag, 29. März 2014

Die Marathon-Etappe: von Arequipa nach Cusco in einem Rutsch

Heute gilt es: nachdem gestern nachmittag und abend die Reiseagentur die ganzen Tickets von Frank auf mich umgebucht hat, muß ich nun bis heute abend in Cusco sein. Das heißt 600km fahren!

Die Fahrt war ziemlich zeitaufwendig, zuguterletzt war ich über 11 Stunden unterwegs (wenn auch durch meist reizvolle Landschaften).

Der erste Kampf morgens war schon der Weg durch den Berufsverkehr von Arequipa. Je weiter man dann in die Vororte kommt, desto besser läuft es wieder. Da ich nicht wußte, wann auf der Piste die nächste Tankmöglichkeit kommt, ging ich auf Nummer sicher und füllte den Tank der GS sowie die beiden 3-Liter-Kanister an den Zegaboxen.

Bei der Fahrt die erste Paßhöhe hinauf war ich ein wenig beruhigt, als ich sehen konnte dass die LKW-Fahrer alle Autos nicht ernst nehmen und es nicht nur auf Mopedfahrer abgesehen haben: ein Tanklaster wollte unbedingt einen langsameren Sattelschlepper überholen und machte das dann auch, obwohl ein SUV entgegenkam. Dieser mußte komplett mit allen 4 Rädern auf den Seitenstreifen, um eine Kollision zu vermeiden.

Kurz danach das nächste Problemchen. 2 Schwertransporte quälten sich den Paß hinauf, beide so breit dass sie die komplette Fahrbahn brauchten und nicht mal Platz war mit der GS vorbeizufahren. Der Gegenverkehr, von SUV über Sammeltaxis bis zu großen Sattelzügen, mußte dann jeweils komplett auf den Seitenstreifen und stand entsprechend schief. Ging aber alles glatt und an einer breiteren Stelle konnten wir dann endlich alle überholen.
Bis auf 4000 m Höhe bei einer Mautstation (zum Glück nur LKWs, die Mopeds werden immer durchgewunken) war dei Strecke die gleiche wie die, die wir schon auf der Hinfahrt von Juliaca kommend gefahren sind. Nun bog sie aber links ab in Richtung Chivay. Kurz vor dem Ort geht die Schotterpiste nach Cusco los.

Zunächst in sehr gutem Zustand, kommt man gut voran. Erst als man schon so weit ist, dass sich ein Wenden und die Fahrt über Juliaca nicht mehr lohnen, wird sie zur Waschbrettpiste mit vielen tiefen Schlaglöchern. Wenigstens ist die Landschft toll, man fährt durch Hochebenen mit Vicunas oder Herden aus Schafen und Alpacas, oder auch mal durch spektakuläre Schluchten. Irgendwann kommt man an eine Kreuzung (bei Torre Blanca oder so ähnlich), bei der die Schotterpiste aus Chivay kommend einmündet. Ab hier wird die Piste deutlich besser, wenn auch immer noch eine reine Schotterpiste. Diese windet sich auf ca. 4800m und bleibt dann gemeinerweise mehr oder weniger dort oben, entsprechend kalt (ca. 7 Grad) ist es dann auch. Nach ca. 100 km Piste trifft die Straße auf die Piste, die von Imata aus nach Norden führt. Ab hier gibt es regen LKW-Verkehr zu einer großen Mine, und die Piste ist in entsprechend gepflegtem Zustand (gewalzte Lehmpiste), wobei man auch im vorherigen Teil sogar Linienbusse trifft, es also keine Offroad-Spielwiese für durchgeknallte Mopedfahrer ist.

Auf der Lehmpiste kann ich endlich ein wenig Tempo machen, denn es wird immer später uns es sind noch immer 300 km zu fahren. Die Durchschnittsgeschwindigkeit steigert sich von ca. 40 km/h auf 60 km/h, was natürlich immer noch viel zu langsam ist, um frühzeitig anzukommen.
Nach längerer Fahrt kommt Yauri, laut Karte eigentlich nur eine von vielen kleinen Orten längs der Piste. Es stellt sich aber als richtige Kleinstadt heraus, und am wichtigsten: ab dem Ortsende ist plötzlich geteert! Und was für ein Sträßchen: ebene Teerdecke ohne jegliche Schlaglöcher, übersichtlich durch dei Landschaft gewunden. Ein absoluter Genuß für jeden Motorradfahrer! Bis auf ein kleines Stück von ca. 5 km, das ungeteert war, ging es genau so weiter bis ich bei Sicuani auf die Hauptstrecke Juliaca-Cusco stieß. Hier kam man auch gut voran, wobei die Landschaft sehr zersiedelt ist und alle paar km ein Dorf kommt mit den allgegenwärtigen "Reductor de Velozidad", den Schwellern in der Straße um die Leute herunterzubremsen.

Am Ortsrand von Cusco (auch hier fährt man dann noch 15-20 km bis zum Zentrum) wurde es dann schon immer dunkler, im Zentrum selbst war es dann schon Nacht. Frank hatte mir zwar per SMS den Namen des Hotels (Cahuide y Saphi) sowie dessen Adresse (Calle Saphi) genannt, aber mein Drecks-Navi kannte weder das eine noch das andere. So mußte ich mich dann nach und nach durchfragen, bis ich endlich angekommen bin (19:30 Uhr) und konnte mich in der Innenstadt noch über den Fahrstil der Einheimischen "erfreuen", die auf bepackte Motorräder keinerlei Rücksicht nehmen (deutlich schlimmer als in La Paz oder Arequipa!) und sich überall vorbeidrängeln...
Abends gingen wir zunächst an der Plaza de Armas (in der Nähe des Hotels) essen, dann noch im Internetcafe die Zugtickets ausdrucken. Zum Abschluß dann noch als Absacker 2 Pisco Sour in der Bar "Norton Rats" (direkt am Eck der Plaza)...


Zwischen Yuari und Sicuani führt eine gut ausgebaute Teerstraße durch grüne Landschaften (wir sind aber immer noch ca. 4000m hoch!):


Kuz vor Sicuari liegt die Laguna Langui, mit fast surrealen Blautönen des Wassers:

Freitag, 28. März 2014

Wärme tanken in Arequipa

Morgens gab es großen Aufbruch: zuerst sind Andrea, Jörg und Frank in Richtung Cusco aufgebrochen. Sie haben direkt vom Hostal in Arequipa aus die Zugfahrt von Cusco nach Aguas Calientes, den Eintritt nach Machu Picchu und das dortige Hotel gebucht. EInige Zeit später fuhren Dieter und Uwe los, sie fahren heute nur eine kurze Tour bis zum Rand der Colca-Schlucht, wollen dort morgen früh die Condore ansehen und dann weiter nach Machu Picchu.
Nur Erwin und ich sind in Arequipa geblieben, wir wollten einfach mal einen ruhigen entspannten Tag in der Wärme verbringen, nachdem es die letzten Tage immer so nasskalt war.
Wenn sich morgen das gute Wetter hält, werden wir aber auch in Richtung Cusco fahren. Wenn nicht, bleiben wir einfach da und besuchen lokale Sehenswürdigkeiten (z.B. die Colca-Schlucht).

Unser Hostal "Casona de Jerusalen" liegt nur ein paar Minuten zu Fuß von der zentralen Plaza entfernt. Dort tobt den ganzen Tag das Leben: jede Menge Tauben, und peruanische Familien mit ihren Kindern beim Füttern. Dabei bildet sich immer ein riesiger Pulk Vögel. Einheimische Photografen lauern immer auf diese Situationen, machen Photos, flitzen dann rasch in die Seitenstraßen und kommen nach ein paar Minuten wieder mit Papierabzügen.

Während des Mittagsschlafs gab es unerwarteten Besuch im Zimmer: Frank war wieder da! Auch bei seiner GS scheint die Benzinpumpe Probleme zu machen, genau wie zu Anfang der Tour bereits bei Dieter. Nun mußte er seine Fahrt nach Cusco abbrechen und zurück ins tiefer gelegene Arequipa kommen. Damit seine bereits bezahlten Tickets nicht verfallen, werde ich nun morgen in einer Marathontour nach Cusco fahren (ca. 600 km). Problematisch dabei ist, dass die meisten Tickets (Bahn, Eintritt Machu Picchu) personengebunden sind, unsere Hostal bemüht sich nach Kräften diese noch irgendwie umzubuchen (wobei die Karte für Machu Picchu nur in Cusco geändert werden kann, hoffentlich klappt das am Samstag abend noch!)...

Abends ging ich zuerst mit Erwin noch zur Kathedrale. Mittags hatten sie uns erzählt, daß ab 17 Uhr eine Besichtigung möglich sei. Das stimmte zwar, aber leider nur für den Kirchenraum selbst, der Aufstieg zum Glockenturm (was mich am meisten interessiert hätte) blieb verschlossen. Zum Anschluß gab es noch ein gutes Essen: Erwin wollte unbedingt "gutes Fleisch" essen, so dass wir auf Empfehlung unseres Hostals ins "El Gaucho" direkt an der Plaza gingen. Dort gibt es, wie der Name schon vermuten läßt, Rindersteaks in allen Varianten. Ich durfte den Wein aussuchen und entdeckte in der Karte doch prompt einen chilenischen Rotwein "Don Matias". Der wurde es natürlich, und es war eine gute Wahl!
Auf jedem Teller befand sich noch eine große Chilischote, die es in sich hatte: zu Beginn wie eine Paprikaschote, wurde sie mit jedem cm näher am Stiel schärfer, bis ca. 2 cm vor dem Ende selbst bei mir Schluß war mit lustig und sich dicke Schweißtropfen auf der Stirn bildeten.
Zum Abschluß gab es dann noch, wie schon gestern, als Absacker zwei Runden Pisco Sour im Irish Pub nahe beim Hostal....


Wenn die Verkehrspolizistin eine SMS lesen will, muß der Verkehr eben ein wenig warten...



Die zentrale Plaza mit der Kathedrale (und vielen Tauben):



Vogeltränke oder Vogeldusche?



Hauptsache, weich und bequem gelandet...

 


Gemütliche Runde beim Argentinier mitten in Peru:



Durch die Streikblockaden von Puno nach Arequipa

Durch den ständigen Regen und die kalten Temperaturen demotiviert, hatte ich mich gestern abend entschlossen, nicht nach Cusco zu fahren, sondern quer über die Berge in Richtung Pazifik bis nach Arequipa. Ich wäre auch alleine gefahren Erwin wollte aber auch gleich mit, als er hörte dass es mich in die Wärme zieht. Uwe zögerte noch, aber als er per EMail erfuhr dass die anderen ebenfalls in Arequipa sind (da die Straße von Puno nach Cusco bei Juliaca wegen eines Streiks gesperrt war), ist er dann auch mit.

Der Tag begann erst einmal ganz entspannt mit einem ausgiebigen und leckeren Frühstück. Danach fragten wir an der Rezeption, ob in Juliaca noch gestreikt wird. Sie bejahten das, so dass wir schon mal eine Nebenstrecke aussuchten, um das ganze großräumig zu umfahren. Als wir dann mit dem Beladen der Mopeds fertig waren, kam sie noch mal zu uns und erzählte uns, daß der Streik jetzt zuende und dieStraße wieder befahrbar sei. Das kam uns sehr gelegen, denn damit konnten wir einiges an Strecke und Zeit sparen.
Am Ortsausgang von Puno wurde noch mal getrankt, das gute "Gasolina" mit 84 Oktan (ansonst gab es keine Alternativen, die GS funktionierte damit aber auch problemlos ohne zu klingeln. Kurz vor Juliaca lag ein größerer Stein auf der Strasse, aber ich dachte mir noch nichts weiter, hat eben einer der LKWs verloren. Nach und nach wurden es aber immer mehr Steine, und mir wurde klar daß dies die Reste der Straßensperren vom Streik sind. Zu den Steinengesellten sich noch Unmengen an Glasscherben sowie Aschehaufen mit Drahtgeflecht, was offenbar verbrannte Autoreifen waren. Direkt am Rand von Juliaca war der Spuk wieder vorbei, und wir durchquerten die Stadt. Der Ort selbst ist das häßlichste, was ich bis jetzt in Südamerika gesehen habe, eine reine Industriestadt ohne jegliche schöne Ecken. Im Ort ging es dann links ab in Richtung Arequipa, und die Ausfallstraße war schön frei zu fahren. Bis zum Ortsrand, denn da waren nochmal Blockaden! Diesmal sogar deutlich heftiger als auf der Strecke von Puno her, zudem standen noch hunderte Demonstranten herum. Überall wieder Steine (von faustgroß bis zu einem halben Meter Durchmesser) und Glasscherben, und soviel davon dass die Fahrzeuge immer nur abwechselnd eine Spur benutzen konnten. Ich habe mich dann hinter einen Omnisbus gehängt und bin ihm gefolgt. Photos hat keiner von uns gemacht, dazu war die Stimmung viel zu angespannt...

Nachdem Juliaca überstanden war, ging es über relativ eintönige Hochebenen und Pässe bis nach Arequipa. Abwechslung brachte vor allem das Wetter, immer wieder gab es Regenschauer und einmal sogar Hagel, das ganze bei einstelligen Temperaturen. Erst beim letzen Abstieg nach Arequipa stiegen die Temperaturen wieder auf fast 20 Grad an, und die Sonne schien. Die Stadt selbst schreckt zunächst einmal ab, man fährt bestimmt 30 Minuten durch die üblichen armen und heruntergekommenen Vororte, bis man die Innenstadt erreicht. Diese ist das genaue Gegenteil, mit großer Plaza und Sakralbauten, alle aus weißen Steinen erbaut.

Wir mußten das Hostal mit den anderen längere Zeit suchen. Zuerst waren wir in der falschen Strasse (es gibt die Calle Jerusalen 2 Mal in Arequipa!), dann hingen wir im Stop-and-Go innerhalb des Einbahnstraßengewirrs der Altstadt fest. Als wir dann schon in der richtigen Strasse waren, aber am falschen Ende, winke uns plötzlich vom Gehsteig aus Frank zu, der gerade an einem Geldautomat stand! Wir mußten nur noch über die Parallelstraße wieder zurück zum Beginn der Straße und dann war es geschafft...


An der Laguna Lagunilla in den Bergen: ein "Badesee" auf 400m Höhe (und gerade mal ein wenig Sonne, durch die Regenfront links hinten mußten wir dann später noch fahren):


Sogar die Boote hier sind aus Germany:


Erwin kann auf jedem Untergrund und in jederPosition ein Nickerchen machen:


Mittwoch, 26. März 2014

Entlang des Titicacasees: von Copacabana (Bolivien) nach Puno (Peru)

Gestern nachts, als wir ins Bett sind, konnte man in der Ferne schön sehen, wie sich ein Gewitter über dem See entlud, und ständig Blitze in den See schlugen. Im Lauf der Nacht zog das Gewitter dann näher an Copacabana heran, und es regnete sehr heftig.
Am Morgen immer noch das gleiche Bild, alles grau draußen, der See im Nebel, und permanenter Regen :-( Die Tour zur Isla de Sol ist damit gestrichen, und wir müssen diskutieren wie wir weiter vorgehen...

Einige Zeit nach dem Frühstück wurde es ein wenig heller und der Regen ließ nach, so dass wir uns entschieden bis nach Puno auf der peruanischen Seite des Sees zu fahren. Gepackt haben wir ohne Regen, aber genau als wir die Mopeds aus dem Frühstückssaal auf die Strasse rangierten fing es schon wieder an. Aber heute waren wir klüger als gestern und hatten gleich von Anfang die Regenkombis griffbereit, so dass wir gut versiegelt in Richtung Grenze aufbrachen. Diese kam nach ca. 15 km Fahrt, und wie immer gibt es 2 Stationen: "Migración" für die eigene Ein- oder Ausreise und "Aduana" (Zoll) für das Fahrzeug. In der Aduana Boliviens schickte uns der Beamte direkt weiter zum chilenischen Grenzübergang, auch auf Nachfrage ob es denn keinen Ausreisestemnpel im Pass gäbe. Na gut, er wird schon wissen was er tut, am Paso de Jama zw. Argentinien und Chile teilten sich die beiden Länder auch einen gemeinsamen Raum. Hier aber nicht! Der peruanische Zöllner schaute sich die Ausweise kurz an, dann schickte er uns wieder zurück zur bolivianischen Migración. Gut, es waren nur ein paar hundert Meter, aber ärgerlich war es dennoch...
Seit der Grenze kam übrigens wieder die Sonne heraus, und wir fühlten uns wie Würstchen in der eigenen Pelle. Daher ab da dann wieder ohne Regenkombi. Das Wetter hielt dann auch bis Puno, zwar meist viele Wolken aber kein Regen (dafür dann abends wieder umso mehr, zusammen mit Gewittern - aber da waren wir bereits im Hotel).

Das Seeufer ist relativ unspektakulär: es wird zwar fast jeder Meter landwitschaftlich genutzt, aber nur sehr extensiv oder als Weide für Schafe, Kühe, Esel und Alpacas. Wir sind eben immer noch auf 3800m Höhe, kein Vergleich zu fruchtbaren Uferstreifen in unseren Regionen (genau aus dem selben Grund gibt es auch keine Strände oder sonstige touristische Infrastruktur). An einigen Stellen sieht man Fischzuchtanlagen, und in der Nähe von Puno kommen dann auch große Schilffelder (hier gibt es den Indio-Stamm der Uro, die daraus Schilfboote und schwimmende Inseln bauen).

In Puno selbst sind wir erst mal eine Zeitlang durch die Stadt gefahren, um ein Hotel oder Hostal zu finden, ohne jeglichen Erfolg (Südamerika ist die Region, die offenbar komplett ohne Wegweiser auskommt!). Irgendwann habe ich meinen Laptop herausgeholt und im "Lonely Planet"-Reiseführer ein paar Empfehlung herausgesucht. Diese Adressen hatte ich dann zwar im Navi, aber sie zu finden war immer noch eine Kunst, denn viele Straßen in Puno sind Einbahnstraßen, die das Navi natürlich nicht kennt. So kommt man in die Nähe des Hotels und muß dann doch wieder abbiegen. Nach mehreren Anläufen wurde es mir zu blöd und ich bin dann teilweise die Einbahnstaßen gegen die offizielle Fahrtrichtung gefahren (wenn kein Auto kam!), und zu guter Letzt fanden wir dann ein Zimmer im 3-Sterne-Hotel "Qelqatani" (benannt nach einer archäologischen Stätte nahe Puno). Mit Radiator zum heizen und warmer Dusche!!!


Hier kommen die leckeren Fische aus den Restaurants her:


Schilfgürtel entlang des 'Ufers, davor meist Äcker mi Chinua-Pflanzen oder Mais sowie Rasenflächen als Weide

Von La Paz nach Copacabana (Titicacasee)

Heute haben wir La Paz verlassen und konnten uns zum Abschied noch mal am Verkehr "erfreuen". Zunächst sind wir auf Schleichwegen hoch nach El Alto, bis in die Nähe des Flughafens. Dort erreichte uns dann aber wieder das Verkehrschaos, und mit stop-and-go ging es im Zeitlupentempo Richtung Ortsrand. Nach bestimmt 2 Stunden Fahrt war es endlich geschafft, aber die Freude währte nur kurz: erste dicke Tropfen fielen, und wir suchten Schutz unter einem Tankstellendach. Als es dann im Westen langsam heller wurde, sind wir wieder weiter. Allerdings trickste uns das Wetter aus, der Regen blieb mehr oder weniger immer da. Dazwischen auch mal Hagelschauer, bei gerade noh 4 Grad über Null. Im Koffer hatte ich eine Regenkombi, in den Gepäckrollen auch noch meine Goretex-Inserts sowie wasserdichte Handschuhe, aber das lagen sie ja gut! Bei einer Mautstelle sahen wir dann ein, dass es keinen Sinn hat weiterzufahren wie bisher, und wir zogen uns dann die Regenkombis über die klatschnassen Mopedsachen.
So ging es dann weiter durch Regen- und Hagelschauer, bis wir am Titicaca-See ankamen. Dort hing dann auch noch ein Gewitter, und kurzzeitig konnte man sogar den Schlauch eines Tornados sehen.
Um die Copacabana-Halbinsel zu erreichen, mußten wir noch ca. 20 km am südöstlichen Ufer in Richtung Norden fahren, bis nach San Pablo de Tiquina. Kurz vor San Pablo noch ein letzter heftiger Hagelschauer, dann war es geschafft und die Sonne strahlte wieder vom Himmel.
In San Pablo selbst muß eine ca. 500m breite Meerenge (oder besser See-Enge) überquert werden. Hierzu gibt es Fähren, die aus langen Holzbohlen bestehen und sich bei Seegang in sich selbst verwinden. Ein Erlebnis mit den Mopeds auf dem Seitenständer! Bei jeder Welle muß man Angst haben, dass es umkippt. Generell sind die Fähren aber offenbar sehr stabil, denn selbst die großen Überland-Omnibusse werden mit diesen Fähren sicher übergesetzt.
Auf der Hlabinsel selbst windet sich eine absolute Motorrad-Traumstrecke durch die Berge bis zur Ortschaft Copacabana. Ab und zu kommen zwar behalfsmäßig geflickte Schlaglöcher, aber ansonst kann man schön swingen und die Ausicht auf den See auf beiden Seiten der Strasse geniessen.

Im Ort angekommen wollten wir ins Hotel "Los Andes", in dem die andere Gruppe schon am Vortag eingekehrt war. Zu finden war es leicht, aber auch nach 5 Minuten kam kein Mensch an die Rezeption oder reagierte auf unsere Rufe im Flur. So sind wir dann weiter ins Nachbarhotel "Mirador". Dort gab es ein Dreibettzimmer im 2. Stock mit Blick auf den See, das ganze für 50 Bs. pro Person und Tag inkl. Frühstück (ca. 6 Eur). Die Mopeds sind auch sehr sicher untergebracht: sie stehen mitten im Speisesaal! Über einen großen Stein konnten wir auf den Gehweg und von dort hinein in den Saal. Vorher haben wir noch abgeladen, damit uns das Balancieren leichter fällt....

Eben waren wir noch essen, ich habe mir meinen Wunsch erfüllt und eine Regenbogenforelle aus dem Titicaca-See gegessen (gegrillt, mit Pommes Frites), dazu noch einen Avocado-Salat als Vorspeise und 2 Bierchen zum nachspülen.

Für morgen wollen wir, sofern das Wetter mitspielt, zu den Inseln Isla del Sol und Isla de Luna übersetzen, die historisch sehr interessant sein sollen (Keimzelle der Inkas). Die Mopeds bleiben in dieser Zeit im Hotel stehen. Übermorgen dann hoffentlich weiter in Richtung Cuzco. Die anderen haben sich nämlich per email gemeldet und erzählt, dass sie heute nur bis Puno am Nordwestrand des Sees gekommen sind (ca. 130 km von Copacabana), weil wegen eines Streiks die Fernstraße nach Cuszo ab dort gesperrt ist :-(


Die Fähren inklusive Landungsstegen:



Copacabana am Abend. Das gelbe Haus in der Mitte ist das Hotel Mirador: